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Fachwelt rätselt: Neue Lackgeräte-Firma aufgetaucht! Wer steckt dahinter?


Es tut sich was in der Branche: Eine neue Lackgeräte-Firma ist aufgetaucht. Doch keiner spricht offen darüber. Keines der vielen Branchenmagazine, die gewöhnlich jede Veränderung am Markt registrieren, schreibt dazu. Selbst die unmittelbar Beteiligten geben keine Auskünfte: Sie gehen ganz tief auf Tauchstation.

Da fragen wir uns natürlich: Warum nur wollen die nichts sagen? Gibt es denn irgendetwas zu verbergen?

Darum geht’s in Kurzform: Eine Firma wurde gegründet, die auf ihrer Webseite „Maschinen und Anlagen für die Oberflächenbearbeitung“ ankündigt. Mehr noch: „Bessere Oberflächen beim Lackieren“ werden versprochen.

Die Firmengründung geschah zu einer Zeit, als Akzo Nobel sein neues Gerät „Paint Perform Air“ entwickelte. Und weil damit ebenfalls Oberflächen beim Lackieren besser werden sollen, fragten wir uns: Hat das eine – die neue Firma – auch etwas mit dem anderen – dem neuen Gerät – zu tun?

Dann erfuhren wir noch, dass das junge Unternehmen bereits in den Akten des Deutschen Patent- und Markenamts (Sitz: München) genannt wird, und zwar als Inhaber von zwei angeblich sehr wertvollen Markennamen und einer Patentanmeldung.

Das klingt doch alles recht verheißungsvoll! Grund genug, genauer hinzuschauen…

Leider sind der Firmen-Webseite keine weiteren Hinweise zu entnehmen. Ganz unten auf der Seite finden wir ein Impressum, das uns stutzen lässt: Danach liegt die Firmenzentrale mitten in einer baden-württembergischen Kleinstadt. Es kann sich also allenfalls um ein Büro, aber keinesfalls um eine Produktionsstätte handeln. 

Und ebenfalls bemerkenswert: Der Chef dieser neuen Lackgerätefirma ist nicht „vom Fach“. Er ist in der Werbebranche tätig – unter anderem für den Lackieranlagen-Hersteller Sehon.

Was läuft denn da ab?

AkzoNobel Paint PerformAir
Screenshot von der Webseite der Lackgeräte-Firma Copps GmbH.

Kurz vor der Tagesschau wurde Webseite registriert

„Copps GmbH“ heißt die Firma. Es erscheint derzeit kaum möglich, das Rätsel um dieses Unternehmen aufzuklären. Denn all unsere Fragen nach dem tieferen Sinn und Zweck des Firmenkonstrukts blieben unbeantwortet.

Schauen wir uns deshalb die bisher bekannten Fakten an:

Kurz vor der „Tagesschau“ am 13. August 2019, es war exakt 19.57 Uhr, wurde die Domain „copps.info“ beim Internetprovider Ionos geordert. Eine Domain mit der geläufigeren Endung „de“ wäre vielleicht interessanter gewesen, konnte aber nicht gebucht werden: Sie ist bereits vergeben – die Universitätsmedizin Greifswald verwendet „copps.de“ für eine Studie zu chronischen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.

AkzoNobel Paint PerformAir
Zum Vergrößern anklicken: Dem Handelsregister ist zu entnehmen, dass die Copps GmbH am 11. Oktober eingetragen wurde.

Einen Monat später, am 19. September 2019, wurde die Copps GmbH bei einer Notarin in Sindelfingen gegründet. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 11. Oktober 2019 beim Amtsgericht Stuttgart unter der Nummer HRB 771110. Einziger Gesellschafter und Geschäftsführer ist ein gewisser Michael Teschke, der auch das Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro einzahlte. Als Wohn- und Geschäftsadresse gab er die Hauptstrasse in Bietigheim-Bissingen an, ein Städtchen ungefähr 20 Kilometer nördlich von Stuttgart.

Lackgeräte-Firma: Der Chef macht normal in Werbung

AkzoNobel Paint PerformAir
Bietigheim-Bissingen: In diesem Gebäude in der Altstadt hat die Lackgeräte-Firma Copps GmbH ihren Sitz.

Die Adresse finden wir in der Fußgängerzone mitten in der historischen Altstadt. Im Erdgeschoß haben sich zwei Modeketten eingerichtet. Oben drüber betreibt der 63-Jährige Michael Teschke eine Werbeagentur namens „Panther Marketing Services“.

Es handelt sich dabei wohl um ein Familienunternehmen: Eine Monika Teschke ist im Internet als Inhaberin angegeben. Michael Teschke fungiert – so gibt er in sozialen Netzwerken an – als „Geschäftsführer“. Die Agentur gestaltet Webseiten für regionale Unternehmen wie Badcenter, Reitschule und Lastgasthof und schreibt deren Pressetexte. 

AkzoNobel Paint PerformAir
Nur ein Wort auf dem Briefkasten weist auf die Firma Copps hin.

Es gibt kein Firmenschild. Auf einem der Briefkästen im Eingang des Hauses steht auf einem weißen Klebestreifen der Name Teschke, daneben der Name der Werbeagentur – und jetzt auch noch „COPPS“. Fünf Großbuchstaben. Kein GmbH-Hinweis.

Die Teschkes arbeiten ausweislich ihrer Referenzen u.a. auch für den Lackieranlagen-Hersteller Sehon, der seinen Sitz im gut 50 Kilometer entfernten Gechingen hat. Sie machen für die Firma den Internetauftritt, Pressetexte, Werbung, Marketing usw. 

In einem seiner Sehon-Pressetexte beschreibt Michael Teschke ausführlich, wie gut das Gerät „Airmatic-Zerstäubungsoptimierung“ funktioniert (Sehon verkauft es unter dem Namen „Aircommander“): Das Gerät „macht das Arbeiten angenehmer, reduziert Belastungen am Arbeitsplatz und sorgt für effizientere Material-, Energie- und Ökobilanzen“, schwärmt Teschke. Eine wichtige Information fehlt allerdings in dem Bericht, er hat sie wohl vergessen: dass es sich um ein Gerät der Firma Ensutec Products GmbH handelt.

AkzoNobel Paint PerformAir
Zum Vergrößern anklicken: Auf der Webseite von Michael Teschke findet sich dieser Text zum Ensutec-Gerät „Airmatic Zerstäubungsoptimierung“ (von Sehon als „Aircommander“ verkauft)

Viel Lob vom Sehon-Werber für die Ensutec-Geräte

Auch über das zweite Ensutec-Produkt „Airmatic Revolution“ (Sehon-Bezeichnung: „Applikationmanager“) findet Teschke nur lobende Worte: Das Gerät sei eine „Weltneuheit“, ein „echter Mehrwert-Bringer für jeden Lackierbetrieb“. Testreihen mit führenden Lackherstellern hätten ergeben, dass sich damit „die Härtungszeiten um bis zu 50 Prozent reduzieren“ ließen.

Dieser Teschke ist jetzt also auch Gesellschafter und Geschäftsführer einer Firma, mit der er laut Handelsregister „Entwicklung, Herstellung, Vertrieb, Verkauf, Import und Export von Maschinen, Geräten und Anlagen für die Oberflächenbearbeitung“ betreiben will. Damit könnte er zu einem Konkurrenten von Sehon werden, was aber in Anbetracht der bisherigen Zusammenarbeit wenig wahrscheinlich erscheint. Weshalb sich umso mehr die Frage aufdrängt: Hat eigentlich Firmenchef Tiemo Sehon irgendetwas mit der Copps GmbH zu tun?

Lackgeräte-Firma Sehon.
In einem kleinen Gewerbegebiet am Ortsrand von Gechingen findet sich das Unternehmen Sehon.

Dass es eine Verbindung gibt, ist zunächst nur eine Vermutung. Diese aber erweist sich bei näherem Hinschauen als durchaus begründet. Für das bessere Verständnis machen wir einen schnellen Schlenker:

Die Firma Sehon verkauft, wie gesagt, die Ensutec-Produkte „Airmatic Zerstäubungsoptimierung“ und „Airmatic Revolution“ unter den Phantasienamen „Aircommander“ und „Applikationmanager“. Anfang dieses Jahres verhandelte Ensutec-Chef Thomas Mayer mit Akzo Nobel: Der Weltkonzern wollte die Ensutec-Geräte exklusiv vertreiben. Anfang März 2019, kurz vor Vertragsabschluss, legte Akzo Nobel überraschend eine Forderung auf den Tisch: Man wolle die Sehon-Namensrechte nutzen – die müsse Ensutec zahlen.

Sehon hätte einen Millionenbetrag einnehmen können. Mayer aber weigerte sich, eine entsprechende Vereinbarung zu unterzeichnen. Daraufhin brach Akzo Nobel die Verhandlungen ab – und stellte unlängst den „Paint Perform Air“ vor. Das Gerät soll laut Eigenwerbung einen „marktweit einzigartigen technologischen Vorteil“ bieten. Wobei „einzigartig“ wohl gestrunzt sein dürfte: Das Gerät mutet wie eine Kopie der „Airmatic“-Geräte an.

Tiemo Sehon, das kam später heraus, hatte sich seine beiden Gerätebezeichnungen „Aircommander“ und „Applikation Manager“ tatsächlich beim Patentamt als Markennamen schützen lassen. Allerdings geschah das erst am 25. Februar 2019, also eine Woche, bevor Akzo Nobel damit herausrückte, dass man die Sehon-Markennamen nutzen wolle, wofür wiederum Ensutec zahlen sollte. Das wäre fürwahr ein echter Coup gewesen: Sehon hätte, dank freundlicher Unterstützung der Akzo Nobel-Manager, ohne größeren Aufwand einen siebenstelligen Betrag kassieren können!

Neue Firma besitzt zwei angeblich wertvolle Markennamen

AkzoNobel Paint PerformAir
Dokumente aus dem Patentamt: Die Wortmarken wurden von Sehon auf die Copps GmbH übertragen.

Und damit zurück zur Copps GmbH: Die zwei angeblich so wertvollen Wortmarken hat die Firma Sehon kürzlich auf Michael Teschke bzw. dessen neue Firma Copps GmbH übertragen. Einfach so als Geschenk? Oder musste Teschke dafür richtig viel Geld bezahlen? Das ist nicht bekannt. Fest steht nur: Die Anträge auf Übertragung der Markenrechte gingen am 14. November 2019 beim Patentamt ein.

Als „EDV-Erfassungstag“ nennt die Behörde den 22. November 2019. Das ist jener Tag, an dem in Frankfurt eine Konferenz begann, bei der Akzo Nobel eine angeblich einzigartige und weltverändernde Innovation für bessere Oberflächen beim Lackieren vorstellte, eben das Gerät „Paint Perform Air“…

Mit der Übertragung der Namensrechte auf die Copps GmbH hörte es übrigens nicht auf: In Ensutec-Geräten ist eine Technik eingebaut, auf die Thomas Mayer 2018 ein Patent angemeldet hat – zusammen mit Tiemo Sehon. Das Patent ist noch nicht zugelassen.

Kürzlich – es war der 4. Dezember 2019 – gab Tiemo Sehon seinen Patent-Anteil ab: Er übertrug ihn ebenfalls auf die Copps GmbH.

AkzoNobel Paint PerformAir
Zum Vergrößern anklicken: Dieser Screenshot von der Teschke-Webseite beweist, wie eng seine Firma mit Sehon verbandelt ist. Das rechte Webseitenfoto zeigt als Werbung für Sehon den Einsatz des Ensutec-Geräts „Airmatic Zeitstäubungsoptimierung“ (bei Sehon „Aircommander“ genannt), als Fotograf ist Sehon angegeben. Ein Foto aus derselben Serie wurde jetzt auch für die Webseite der Copps GmbH genutzt (siehe oben).

Keiner will etwas sagen – warum nicht?

Wir haben versucht, mehr zur erfahren. Von Michael Teschke hätten wir zum Beispiel gerne gewusst, was hinter seiner Firmengründung steckt: Wie kommt der Betreiber einer kleinen Werbeagentur dazu, ein Unternehmen für komplexe Lackanlagen zu gründen und zu leiten – und das mit immerhin bald 64 Jahren? Wir hätten von ihm auch gerne erfahren, ob er der einzige Gesellschafter der Copps GmbH ist oder ob es stille Teilhaber gibt. Und welche Geräte er mit seiner neuen Firma produzieren und/oder vertreiben will. Nicht zuletzt wäre interessant zu wissen, was Tiemo Sehon mit alledem zu tun hat. Und ob er, Teschke, für die Wortmarken und den halben Patentanteil an Sehon habe bezahlen müssen, und wenn ja: wie viel?

Der Mantel des Schweigens liegt ausgebreitet über alledem.

Michael Teschke, der vermeintliche Kommunikationsprofi und frisch gebackene Lackgeräte-Unternehmer, verweigerte jede Kommunikation: Auf schriftlich gestellte Fragen antwortete er nicht. Auch ein Gespräch am Telefon lehnte er ab: Er legte einfach auf.

Tiemo Sehon gab keine einzige Antwort auf die vielen Fragen, die wir ihm übermittelt haben.

Blieb zum Schluß noch diese Frage: Die Gründung der Firma Copps GmbH fand zeitgleich mit der Entwicklung des neuen Akzo Nobel-Geräts „Paint Perform Air“ statt. Gibt’s da vielleicht einen Zusammenhang? Oder anders gefragt: Wo und von wem lässt Akzo Nobel das neue Gerät „Paint Perform Air“ eigentlich herstellen bzw. vertreiben? 

So etwas ist normalerweise kein Geheimnis, ganz im Gegenteil: Die meisten Firmen würden sich glücklich schätzen, wenn sie danach gefragt würden und das öffentlich erzählen könnten.

In diesem Fall scheint einiges anders zu sein: Akzo Nobel sagte nichts dazu. Der Konzern gab keine Antwort auf unsere Fragen.

Es ist wirklich alles sehr geheimnisvoll!


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