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Das Schweigen von Akzo Nobel: Ist der Paint Perform Air schon Geschichte?

Was ist nur mit dem Paint Perform Air los? Seit Wochen hört man nichts mehr von ihm, sieht ihn nicht, liest nichts über ihn. Es ist, als habe er sich in Luft aufgelöst! Das Gerät, das von Akzo Nobel vor einem halben Jahr in Frankfurt mit lautem Getöse vorgestellt wurde, ist schon wieder verschwunden. Einfach weg. Das angebliche Wundergerät, das die Welt verändern sollte: Ist es in Wahrheit ein Riesen-Flop? Spurensuche im dichten Nebel.

Paint Perform Air
Die Akzo Nobel-Broschüre für den Paint Perform Air fiel vor allem mit großspurigen Sprüchen auf: So wurde ein einzigartiger technologischer Vorteil versprochen. Das war wohl ein bisschen zu dick aufgetragen.

Normalerweise ist das ja so: Wenn ein Unternehmen – ein Weltkonzern gar – ein neues Gerät auf den Markt bringt, das angeblich „einen marktweit einzigartigen technologischen Vorteil“ bietet, weil es besser sein soll als alles, was es heute gibt und früher gab: Dann vibriert es in der Geschäftsführung des Unternehmens. Dann rotiert die Technikabteilung. Dann wirkt die Marketingabteilung wie auf Speed, und die Presseabteilung kann nicht mehr ruhig schlafen: Dann wird das ganz große Rad gedreht, es werden Pressemitteilungen formuliert und Broschüren gedruckt, es werden Fotos und oft auch Filme ins Netz gestellt und Storys wie am Fließband geschrieben.

Wie gesagt: Normalerweise ist das so.

Akzo Nobel hat im November letzten Jahres den Paint Perform Air vor 700 Mitarbeitern in einem exklusiven Frankfurter Top-Hotel vorgestellt. Auf der Bühne tönte Technikmanager Armin Dürr, er wirkte dabei richtig stolz: „Wir bringen die Automatisierung in die Lackierkabine.“ Und vollmundig versprach er allen Lackierbetrieben, die den PPA kaufen würden, „einen entscheidenden marktweiten Vorteil“. O-Ton Akzo Nobel: „Die Welt ist nicht gemacht für den Stillstand.“

Die Fachmedien überschlugen sich vor Begeisterung: Eine Innovation, jubelten sie. Die alles verändert! Ein Höhepunkt! Das Highlight! Eine Weltpremiere!

Mehr geht wirklich nicht!

Eine so groß inszenierte Produktpräsentation ist – wie gesagt: normalerweise – der Startschuss für eine riesengroße Kampagne. Das neue Gerät, für das Käufer einen satten fünfstelligen Betrag hinblättern sollen, muss schnellstens in allen – in allen! – Lackierbetrieben bekannt gemacht werden. Der Verkauf muss brummen, die Entwicklungskosten müssen schließlich wieder verdient werden, und neue Gewinne wird ein Konzern wie Akzo Nobel in diesen Zeiten sicher auch gut gebrauchen können. Üblicherweise werden deshalb Informationen über das neue Gerät flächendeckend verteilt: Die Welt ist schließlich nicht gemacht für den Stillstand.

Normalerweise.

Auffällig: keine Werbung für den Paint Perform Air

Doch jetzt gehen Sie mal ins Internet und googeln nach „Paint Perform Air“. Sie finden: nichts. Halt! Da sind ein paar Berichte, die meistgelesenen stehen oben, sie führen direkt zu unserer Webseite www.lackierer-info.de, auf der wir die dubiose Entstehungsgeschichte des Paint Perform Air aufgedeckt haben, in der ein paar Akzo Nobel-Manager eine ziemlich miese Rolle spielten.

Unterhalb unserer Berichte listet Google ein paar Links zu den Lobhudeleien vermeintlicher Fachmedien auf: Billige Reklameberichte, deren Schreiber wohl weniger an objektive Information für ihre Leser interessiert sind als vielmehr an bezahlte Anzeigenaufträge für ihr Blatt.

Aber aktuelle Informationen zum PPA? Fehlanzeige! Neue Nachrichten sind im weltweiten Internet nicht zu finden. Vielleicht, so unsere Vermutung, will Akzo Nobel mit dem Paint Perform Air Werbung nur in Slow Motion machen: Gaanz, gaaanz langsam soll der Markt erobert werden.

Aber das Unternehmen wird doch dann gewiss ein paar Informationen zum PPA auf seiner Webseite hinterlegt haben, oder? Wie das Gerät funktioniert, was es leistet und was es kostet usw., eben all die Informationen, die ein potentieller Kunde auf die Schnelle abrufen will.

Also gehen wir auf die Webseite www.akzonobel.com/en/de und tippen in die Suchmaske: „Paint Perform Air“.

Als Ergebnis bekommen wir zu lesen: „No results found“. Keine Ergebnisse gefunden.

Das gibt’s doch nicht! Haben wir etwas falsch gemacht? Wir ändern die Suche, geben nur „performair“ ein. Da müsste doch was kommen! Doch wieder lesen wir nur: „no results found“.

Das ist schon sehr merkwürdig: Akzo Nobel verschweigt auf seiner eigenen Webseite sein angebliches Wundergerät. Im Magazin „FFM“ hatte der Lackhersteller den PPA als „Durchstarter 2020“ bejubeln lassen: „Für Akzo Nobel und seine Kunden steht dieses Jahr unter dem Zeichen des Paint Perform Air.“ Und trotzdem veröffentlicht Akzo Nobel nicht einen Artikel über den PPA im Internet, nicht ein einziges Wort?

Merkwürdig: Stuttgart darf keine Auskunft zum PPA geben

AkzoNobel Paint PerformAir
Das Logo an der Akzo Nobel-Zentrale in Stuttgart.

Da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, der Konzern wolle mit dem PPA nichts mehr zu tun haben. Aber das wäre nach der kraftmeierischen Präsentation vor einem halben Jahr schon mega-peinlich, oder? Was ist da nur los?

Wir haben in der zuständigen Akzo Nobel-Zentrale nachgefragt, was mit dem PPA los ist. Wir haben in Stuttgart angerufen, dort, wo die PPA-Verantwortlichen Benjamin Burkard (Geschäftsführer) und Armin Dürr (Technikmanager) sitzen. Unsere Ansprechpartnerin ist Elisabeth Wolf, die Pressesprecherin des Unternehmens. Ihre Antwort klang gar nicht gut: Leider dürfe sie uns keine Auskünfte zum Paint Perform Air geben, sagt sie. Wir müssten uns an die Europa-Zentrale in den Niederlanden wenden.

Es ist schon äußerst merkwürdig, wenn ein deutsches Unternehmen einem Journalisten über ein zentrales Produkt für den deutschsprachigen Markt keine Auskünfte mehr geben darf. Aber gut: Wenn Stuttgart nichts sagen darf, dann wenden wir uns natürlich gerne an Amsterdam.

Dort ist unsere Ansprechpartnerin eine Frau Huss, die sich “Head of Communications North West Europe Global Communications & Public Affairs“ nennen darf. Trotz dieses pompösen Titels scheint Kommunikation nicht das Ding der Dame zu sein, zumindest nicht, wenn’s um den PPA geht. Frau Huss lässt uns wissen, dass alles gesagt sei. Weitere Auskünfte gebe sie nicht.

Das sind wirklich keine guten Nachrichten! Zumal unsere Fragen schlicht und einfach waren:

Wir wollten wissen, erstens, warum Akzo Nobel keine Werbung für den Paint Perform Air macht.

Wir hätten auch gerne gewusst, zweitens, warum Akzo Nobel den Paint Perform Air auf der eigenen Konzern-Homepage verschweigt, warum man dort nicht einmal die eigene Pressemitteilung veröffentlicht hat.

Und schließlich, drittens, hatten wir kurz zuvor Post bekommen – wieder anonym, wieder aus Stuttgart –, in der behauptet wurde, Akzo Nobel habe seine teure Werbekampagne zum Paint Perform Air einstampfen lassen. Eine vierseitige Broschüre auf teurem Hochglanzpapier, in der behauptet worden war, dass AkzoNobel mit dem Paint Perform Air einen „marktweit einzigartigen technologischen Vorteil“ biete, sei ins Altpapier gegeben worden. Denn einige Aussagen zum PPA seien unwahr gewesen, weshalb das Unternehmen sie nicht mehr verwenden wolle. Oder dürfe.

Wahr oder nicht wahr? Das hätten wir gerne gewusst. Doch unsere Fragen , obwohl sie doch von der eher harmlosen Art waren, wurden von Akzo Nobel nicht beantwortet.

Mit dem Paint Performair wollte Akzo Nobel vor kurzem noch die Welt der Lackierer verändern. Da haben ein paar Leute den Mund wohl zu voll genommen: Jetzt will man mit dem Gerät offenbar nichts mehr zu tun haben.

Ist der Paint Perform Air etwa schon wieder Geschichte?

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